Koprophagie beim Hund

In meinen Trainingsstunden werde ich immer wieder mit verschiedenen Themen konfrontiert. Eines dieser Themen, welches leider nicht selten vor kommt, ist die Koprophagie, also das Kot fressen des eigenen Hundes.

Aus diesem Grund gehen wir der Sache heute einmal genauer nach:

Zu aller erst muss man sagen, dass das Kot fressen, egal um welchen es sich dabei handelt nicht zu den Normalverhaltensweisen eines Hundes gehört. Einzig eine Mutterhündin, die die Hinterlassenschaften ihrer Neugeborenen zu sich nimmt, steckt ein Verhalten dahinter, was in ihrem Falle normal ist! Auch wenn es bei Haushunden immer wieder als Lapalie abgetan wird, ist es nicht nur eklig, sondern es kann mitunter auch etwas Ernsthaftes dahinter stecken.

Der Umwelt zur Liebe beachten

Welcher Kot wird bevorzugt?
Man unterscheidet beim Kot fressen von Hunden die Art der Hinterlassenschaft, die der Hund frisst. So fressen die einen Hunde ausschließlich Pferdekot, die anderen den Kot von Wildtieren, während einige sogar ihre eigenen Hinterlassenschaften, oder gar die von Artgenossen genüsslich verschlingen. Das gerade letzteres für ihre Besitzer nicht gerade schön ist, versteht sich von selbst.

Weshalb fressen Hunde Kot?
Der wohl mitunter gängigste vermutete Grund ist ein Nahrstoffmangel. Viele Hunde leiden, auch oftmals verursacht durch falsche oder fehlerhafte Ernährung an einem Nahrstoffmangel, den der Hund selbst mit dem Fressen von Kot auszugleichen versucht. Auch muss kein bestehender Mangel vorliegen, dies ist in der Praxis sogar häufig so. Es reicht oftmals, dass der Hund im Welpenalter oder Junghundealter einen aufwies und sich so quasi das Kot fressen angewöhnt hat. Gerade bei Tierschutzhunden, die lange Zeit auf der Straße lebten, kann man dies vermehrt beobachten. Hunde bzw. Welpen, die von seriösen Züchtern kommen, weisen im Gegensatz dazu diese Unart weniger häufig bis kaum auf.

Aber auch Erkrankungen können dahinter stecken. So fressen viele Hunde dann Kot, sofern sie ihre erhaltene Nahrung nicht mehr verwerten können. Eine Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse ist bekannt dafür, solchen Schaden anzurichten. Die Hunde magern Zusehens ab und versuchen ihr Untergewicht mit dem zusätzlichen Kot auszugleichen. Ein Wurmbefall trägt ebenso zu solchen Fressattacken bei. Ein starker Wurmbefall kann die Verdauungsvorgänge eines Hundes derart stören, dass dies alleine schon der auslösende Faktor sein kann. Auch ein allgemeiner Energieverlust kann dahinter stecken. So kann man dies an Sporthunden beobachten, die z.b. nach einer Agility Prüfung hastig Kot anderer Hunde fressen, um ihren eigenen Energieverlust so schnell wie möglich wieder auszugleichen.

Auch ein territoriales Problem kann Grund der Kot Fresserei sein. Dies kann man gut in Haushalten beobachten, die zum bestehenden Hund auch noch eine Katzen oder einen Zweithund dazu holen. Hunde, die ein stark ausgeprägtes Territorialverhalten besitzen, fressen so die Hinterlassenschaften der Katze oder des Zweithundes, um ihr Revier sauber zu halten. Ob es sind um ein territoriales Problem handelt, bemerkt man daher, dass der Hund außerhalb seines Revieres (zudem im Übrigen auch die gewohnte Gassistrecke gehören kann), keinerlei Kot frisst.

Auch ein relativ häufiger Grund des Kot Fressens ist ein Aufmerksamkeitsproblem. Gerade bei Familien, die sich einen Zweithund zu einem z.b. bereits älteren Hund anschaffen, kann man dies häufig beobachten. Der Hund bekommt dank neuem Welpen oder etwa nach der Geburt eines Kindes weniger Aufmerksamkeit und holt sich diese von seinem Besitzer, indem er Dinge tut, die der Besitzer nicht lustig findet. Logischerweise geht diese Strategie super gut für ihn auf, denn der Hund bekommt die benötigte Aufmerksamkeit auch in Form einer Maßregelung, sofern er sich genüsslich über den Kot her macht.

In Tierheimen oder Hundepensionen wird der Kot oftmals als Frust gefressen. Gerade Zwinger, die sehr klein sind und in die sich der Hund nur wenig bewegen kann ist meist Grund genug um seinen eigenen Kot zu fressen.

Ein Grund jedoch auch, den ich oft im Training beobachte bei Hunden, die zu Kot fressen neigen ist Stress. Hunde, deren Rangfolge innerhalb der Familie nicht geklärt ist oder Hunde, die sehr oft sehr lange alleine sind, leiden so häufig unter stressbedingtem Kotfressen. Auch falsche Haltungs- oder Trainingsbedingungen verursachen stress und dem damit zur Folge habenden Kot fressen.

Doch welche Gefahren bringt das Kot fressen mit sich?
In erster Linie kommt es natürlich darauf an, welchen Kot der Hund frisst. Werden so z.b. die Hinterlassenschaften von Pferden gefressen kann dies eine mitunter große Gefahr für bestimmte Hunderassen darstellen. Hunde, die den MDR1 Defekt in sich tragen, sind auf bestimmte Medikamente allergisch, diese sie unter Umständen mit dem Pferdekot aufnehmen können. Aber auch für alle anderen Rassen gilt hierbei Vorsicht, da die Gefahr der Wurmbelastung hoch ist. So trägt der Kot oftmals Spul-, und Hackwürmer. Frisst so der eigene Hund den Kot eines Artgenossen, dieser nicht entwurmt wurde, steckt sich der eigene damit an. Ebenso können natürlich andere Krankheitserreger durch den Kot aufgenommen werden und Schaden mit sich ziehen.

Aber was tun gegen das Kot fressen?
Zu aller erst finde ich es immer ratsam den Hund dem Tierarzt vorzustellen. Hier eignet sich eine Blut-, und Stuhlprobe, um einen womöglich vorhandenen Mineralstoffmangel auszuschließen und eine generelle Abklärung der Futtersituation.

In den meisten Fällen ist ein hochwertiges Futter bereits der Schlüssel zum Erfolg. Auch sollte man sich immer wieder im Klaren sein, wieviel Futter der jeweilige Hund pro Tag benötigt und ihm diese auch geben. Da leider immer wieder viele Hundehalter Angst davor haben, ihr Hund könnte zu Übergewicht neigen, wird oftmals einfach auch zu wenig gefüttert und der Hund hat schlichtweg Hunger. Aber auch das Gegenteil trägt zu Kotfressen bei. Bei Hunden, die dauerhaft überfüttert werden stimmt wiederum die Darmflora nicht mehr. Diesen Ausgleich glaubt der Hund wiederum im Kot zu finden.

Bei im Zwinger gehaltenen Hunden muss dieser zwingend 1x täglich gereinigt werden. Denn nur so lässt sich auch das Kot Problem lösen. Wo keine Kot ist, kann auch keiner gefressen werden. Auch sollte die Zwingergröße unter die Lupe  genommen werden, da viele Hunde in viel zu kleinen Zwingern gehalten werden und dadurch Verhaltensauffälligkeiten entstehen.

Die richtige Beschäftigung, gerade während der Gassigänge ist ein entscheidender Faktor, damit der Hund nicht auf den Gedanken kommt den Kot aufzunehmen. Artgerechte Beschäftigung, die den Hund Spaß macht und ihm liegt ist also das A und O bei kotfressenden Hunden.

Regelmäßige Entwurmungen durchführen!

Im Internet gibt es außerdem viele Tricks, welche man liest, um dem Hund abzugewöhnen an den Kot zu gehen. Dort bekommt man oft Dinge zu lesen, wie den Kot mit Tabasco etc. zu beträufeln, damit der Hund die Lust dazu verliert. Ihr könnt euch jetzt bewaffnet mit einer Tabasco Flasche auf die nächste Hundewiese machen oder aber dem Hund einfach lernen, dass er den Kot anzeigt und dafür eine leckere Alternative bekommt.

Heißt also, dass man um ein Training nicht herum kommt. Jeder Hund kann so also lernen, dem frischen Hundekot zu wiederstehen. Generell sollte jedoch jegliches Kot fressen schon im Ansatz unterbunden werden, damit es nicht zu unschönen Folgen kommt.

 

 

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